Parodontitis steigert Risiko für Entzündungen an künstlichen Gelenken

Eine sorgfältige Mundhygiene trägt entscheidend zur Langlebigkeit künstlicher Gelenke bei – deutlich mehr als die vorbeugende Einnahme von Antibiotika vor zahnärztlichen Eingriffen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle britische Studie.

Zahnbehandlungen lange verdächtigt

Lange Zeit galt die Annahme, dass blutige Zahnbehandlungen Entzündungen an Gelenkprothesen auslösen könnten. Daher empfahl auch die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) bislang eine einmalige Gabe von Antibiotika bei invasiven zahnärztlichen Maßnahmen. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch ein anderes Bild: Zwar gelangen entzündungsverursachende Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf, dies geschieht jedoch nicht – wie bisher vermutet – während einer zahnärztlichen Behandlung.

Antibiotika-Prophylaxe ohne Nutzen

In der britischen Studie wurden die Daten von rund 9.500 Patientinnen und Patienten ausgewertet, bei denen nach zahnärztlichen Eingriffen späte Infektionen an ihrer Gelenkprothese auftraten. Ein Teil der Betroffenen hatte vorab ein Antibiotikum erhalten, andere nicht. Das Ergebnis: Die vorbeugende Antibiotikagabe zeigte keinen Einfluss auf das Risiko einer Protheseninfektion. Auffällig war dagegen, dass Personen mit schlechter Mundhygiene – also mit Zahnfleischbluten, Entzündungen oder Parodontose – deutlich häufiger von bakteriellen Infektionen ihrer Gelenkprothese betroffen waren.

Bakterien aus dem Mund können den ganzen Körper betreffen

Parodontitis entsteht durch unzureichende Zahnpflege und führt zu einer bakteriellen Entzündung des Zahnhalteapparates. Dass diese Keime über die Blutbahn auch andere Bereiche des Körpers erreichen, ist wissenschaftlich belegt. Entsprechend wird die Parodontitis heute nicht nur als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenentzündungen angesehen, sondern auch als möglicher Auslöser von Entzündungen an künstlichen Gelenken.

Fazit: Parodontitis vorbeugen heißt Gelenkprothesen schützen

Nach Einschätzung des AE-Präsidenten Dr. Stephan Kirschner sollten Menschen mit Gelenkersatz gezielt über den Einfluss einer guten Mundgesundheit aufgeklärt werden. Wer seine Zahnhygiene ernst nimmt, kann das Risiko für schwerwiegende Entzündungen an Implantaten oder Prothesen erheblich senken. Vor geplanten Gelenkoperationen sollte daher stets der Zahnstatus überprüft und eine vorliegende Parodontitis behandelt werden.

Die beste Vorsorge für den Erhalt künstlicher Gelenke besteht letztlich darin, dass Patientinnen und Patienten selbst aktiv an ihrer Zahngesundheit arbeiten und regelmäßig zahnärztliche Kontrollen wahrnehmen.